DIEBE IN NEVADA – Wer besitzt den amerikanischen Bundesstaat Nevada?

von Scott Robert Ladd

Fragen Sie einen Angestellten des Landverwaltungsbüros der Bundesregierung, so wird der antworten: 85 % ist Bundesbesitz, verwaltet vom Innenministerium. Ein Beamter des Bundesstaates Nevada hingegen würde antworten, dass die Bundesregierung keine verfassungsmäßige Autorität hat, Land zu besitzen. Der Staat Nevada selbst beansprucht per Gesetz umfangreiche Ländereien, die sich im Besitz der Bundesregierung in Washington befinden. Aber in den Augen der Western Shoshone ähneln alle bisherigen amerikanischen Regierung einer Diebesbande, die sie von ihrem angestammten Land mit allen Mitteln vertreiben wollen.
Viele Shoshone glauben, dass sie Ziel einer Vernichtungskampagne sind,
bei der staatlicher Betrug und die Gier staatlicher Organisationen eine große Rolle spielen. Sie stellen fest, ihr Land wurde ihnen im 19. Jahrhundert weder weggenommen, noch wurde es jemals verkauft oder abgetreten, statt dessen bedient sich die USA verschiedener dubioser juristischer Verfahren, um den Besitz an sich zu reißen.
Noch immer kämpfen die Shoshone um ihr Land, das sie „NEWE SOGOBIA“ nennen. Es ist der Platz, wo auch ihre Vorfahren lebten: eine trockene und rauhe Region, die sich von Idaho über Zentral-Nevada bis nach Kalifornien (Mojave Wüste) erstreckt, genannt das „Große Becken“. „Ich sehe das Land auch von unserem religiösen Standpunkt aus; das Land ist nicht nur Land, es ist die Mutter alles Lebens, nicht nur des menschlichen Lebens, sondern die Mutter alles Lebens“, sagt Carrie Dann, eine der traditionellen Ältesten  der Shoshone-Gemeinde. „Wir haben unser Land nie verlassen, die USA können beanspruchen was sie wollen, die Realität ist, wir leben noch immer hier!“
Der „Erwerb“ Nevadas durch die USA ist problematisch. Die meisten Geschichtsbücher sagen aus, dass Mexiko das Gebiet des „Großen Beckens“ an die USA im Zuge des Vertrages von Guadelupe Hidalgo 1848 abgetreten haben. Aber um Land abzutreten, muss man es erst  besitzen! Mexico hat das Land weder besessen noch dauerhaft besiedelt. Offizielle Landkarten der US-Regierung um 1840 zeigen einen großen, weißen Fleck zwischen Kalifornien und dem Colorado-Fluss – außer einigen Missionaren und Goldsuchern hatte niemand Interesse an dieser Wüste im Großen Becken.
Mehr sagt schon das Gesetz aus der Zeit, als der Bundesstaat Nevada „abgesteckt“ wurde, aus: ..nichts soll die Rechte der Personen in besagtem Gebiet beeinträchtigen“. Die Vereinigten Staaten wollten damals das Land nicht, sagt Chief Raymond Yowell, Vorsitzender des Western-Shoshone National Council. Wenn man sich die Debatten im Kongress aus dieser Zeit durchliest, sieht man, dass die Senatoren dagegen waren, neues Land von den Indianern zu erwerben. Ihr Ziel war es, den Weg für die Goldtransporte von Kalifornien zur Ostküste frei zu halten,  da das Gold für die Ausgaben des Bürgerkrieges dringend benötigt wurde.
Die USA wollten damals ihr Territorium nicht erweitern, statt dessen sandte das Büro für Indianerangelegenheiten Unterhändler aus, um Verträge zu vereinbaren.
Die Unterhändler der Regierung erhielten die Ermahnung: „Es wird nicht erwartet, dass durch die Verträge die Besitzansprüche der Indianer angetreten werden“. So wurde zwischen den Vertretern der Vereinigten Staaten von Amerika und den Western Shoshone ein „Friedens- und Freundschaftsvertrag“ im Oktober 1863 in Ruby Valley/Nevada geschlossen.
Der Vertrag gestattet den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Western Shoshone Minen, Farmen, Eisenbahnen und Telegraphenlinien zu errichten, aber nichts in dem Dokument weist auch nur annähernd auf den Verlust der Souveränität der Western Shoshone hin.

Die Regierung hielt sich nicht an den Vertrag und tat nur wenig, um die Rechte der Indianer zu wahren.

Der nomadisierende Lebensstil der Western Shoshone änderte sich zwangsläufig, da er mit den euro-amerikanischen Siedlungen nicht zu vereinbaren war. Großwild fiel den Gewehren der Neuankömmlinge zum Opfer, während deren Rinderherden die spärliche, aber lebensnotwendige Vegetation zum Verschwinden brachte. Die Shoshone überlebten, indem sie in den Minen, auf den Farmen und bei der Bahn Arbeit fanden und dadurch oft in die Nähe weißer Städte abwanderten.
Chief Yowell beklagt sich: Die Shoshone hielten sich an den ausgehandelten Vertrag, die amerikanische Regierung aber nicht.  Als mehr und mehr weiße Siedler ins Land kamen, war die Vereinbarung von Frieden für die USA nicht genug. Anstatt mit uns als souveräne Nation zu verhandeln, versuchte die USA, den Anspruch auf das Land durch Umgehung der Gesetze zu erlangen.
Die Intrige wurde verkörpert durch die „Indian Claims Commission“, eine Art Gericht, vom Kongress 1946 installiert, um ausständige Schadenersatzansprüche der Indianer gegenüber den Vereinigten Staaten zu vertreten. Das Gesetz erlaubte der Kommission, mit jeglicher Personengruppe, auch mit einer kleinen Minderheit als Repräsentant der jeweiligen Indianer-Nation, zu verhandeln. Der Rechtsanwalt Robert Barker machte mit einigen Mitgliedern einer sehr kleinen Gruppe der Shoshone, den „Te-Moaks“, einen Vertrag; in deren Namen unterzeichnete er 1951 den Antrag der  Western-Shoshone für die Indian Claims Commission.
Chief Raymond Yowell erinnert sich an Gespräche aus seiner Jugend, in denen die Häuptlinge und Ältesten vom BIA (Büro für Indianerangelegenheiten) oft unter Druck gesetzt wurden, sodass sie oft keine andere Wahl hatten, als zu unterschreiben.
Die Indian Claims Commission war nicht ermächtigt, Besitzansprüche der Indianer zu löschen, aber bei allen Fällen ging man stillschweigend davon aus, dass die Landansprüche der Indianer bereits zu einem früheren Zeitpunkt verloren oder abgetreten wurden. Rechtsanwalt Barker gehörte der Anwaltfirma an, die die Indian Claims Commission ins Leben rief, er musste also wissen, wie die Kommission den Shoshone-Fall interpretieren würde. Aber Mr. Barker erklärte den Standpunkt der Kommission seinen Klienten nicht, sondern ließ sie im Glauben, ihren Landanspruch geltend gemacht zu haben.
1962 behauptet die Kommission, den Vertrag von Ruby Valley ignorierend, dass die Shoshone den Anspruch auf ihr Land verloren hätten, da es überwiegend von Weißen besiedelt war. Ein offizielles Datum des Landverlustes wurde mit 1.7.1872 von der Indian Claims Commission in Übereinstimmung mit dem Anwalt der  Regierung und Mr. Barker, angegeben. Für dieses Datum gibt es bis heute keinen offiziellen oder rechtlichen Hinweis, er wurde aus dem Grund gewählt, um einen Wert des Landes festzusetzen. Unterlagen über Zählungen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts  (also ca. 30 Jahre später) zeigen, dass die Western Shoshone zahlenmäßig noch immer in der Mehrheit waren.
„Im Jahr 1872 geschah nichts“, sagte Glenn Holley, ein Shoshone Ältester von Battle Mountain. „Kein Land wurde in diesem Jahr von der Regierung genommen“. Wir verloren dieses Land niemals und wir verkauften es auch nicht. Unsere religiöse Anschauung verbietet es, Geld für Land zu nehmen.

„Was wirklich geschieht ist, dass uns die Regierung das Land jetzt stiehlt, in diesem Moment!!!! „

1976 feuerte der Te-Moak-Stamm den Anwalt Barker und hoffte, mit einem neuen Anwalt den Vorgang zu stoppen. Die Indian Claims Commission verweigerte den Te-Moak das Recht auf einen anderen Anwalt. Als der Te-Moak-Stamm und andere Shoshone versuchten, den Vorgang des Landraubes zu stoppen, meinte die Kommission, eine Verzögerung würde den Shoshone nur schaden. Anwalt Barker arbeitete aktiv gegen die Interessen seiner früheren Klienten, indem er gemeinsam mit der Kommission und den Anwälten der Regierung versuchte, eine „finanzielle Lösung“ zu finden. Die Indian Claims Commission sagte den traditionellen Vertretern der Shoshone, sie hätten kein Recht, den Vorgang zu verhindern, da sie nicht dem Te-Moak Stamm angehören. Während die meisten Amerikaner annehmen, das Recht auf einen selbstgewählten Anwalt zu haben, wurde dieses Recht den Shoshone verwehrt.
Um einen Wert festzulegen, wurde das Land der Western Shoshone von der Indian Claims Commission kategorisiert. Ein paar Cents pro acre für den Großteil des Landes schaute dabei heraus, obwohl das Land reich an verschiedenen Bodenschätzen ist. Der Endbetrag belief sich auf ca. $26 Millionen. Am 12. Dez. 1979 wurde das Geld den Western Shoshone zugesprochen, diese verweigerten jedoch die Annahme.
„Das ironische daran ist, dass die USA ca. 15 Cent pro acre anbieten, während Goldfirmen dafür $ 2,50 zahlen würden“, meint Carrie Dann. Der Wert des Landes ist im US-Bergbaugesetz festgelegt, die Regierung bekommt dafür 10 x mehr als sie uns jetzt zahlen möchte. In einer Rede 1995 sagte der Innenminister Bruce Babbitt: Die Evaluierung des Landes im Bergbaugesetz von 1872 sei eine eklatante Verletzung des öffentlichen Interesses. In Gesprächen mit den Shoshone hat er jedoch keine Skrupel, sie mit dem Bruchteil des tatsächlichen Wertes ihres Landes abzuspeisen.
Zusätzlich zu allen Ungerechtigkeiten bezahlte die Indian Claims Commission 10 % des für das Western Shoshone-Land festgesetzten Betrages an den Anwalt Mr. Barker, als Anerkennung seiner außerordentlichen Bemühungen. Das restliche Geld wurde auf einem Bankkonto des Finanzministeriums deponiert, lautend auf das Innenministerium als „Vormund“ der Western Shoshone. Die Shoshone geben jedoch nicht auf und kämpfen vor Gericht weiter.
Ein juristisches Pingpong-Spiel entstand, ein Gerichtsentscheid bestätigte, ein anderer hob das Urteil auf, und die Angelegenheit wird dadurch immer komplizierter. Der bedeutendste Entscheid fiel 1985, als das Höchstgericht die Zahlung an das Innenministerium als Zahlung an die Shoshone wertete. Ein anderes Gericht hatte entschieden, dass der Shoshone Landanspruch gültig war bis 1979, als das Geld den Shoshone zuerkannt wurde, obwohl die Entscheidung der Kommission darauf basierte, dass der Landanspruch bereits zu einem früheren Zeitpunkt verloren war.
Die Bundesregierung hat die Western Shoshone wirklich betrogen, sie sind nun landlos in ihrem eigenen Heimatland, sagt Tom Luebben, ein Rechtsanwalt der Duckwater Shoshone. Die Gerichtsentscheide bestätigen den Western Shoshone nur, dass sie von der Regierung „gelinkt“ wurden; nicht in früheren Zeiten, sondern innerhalb der letzten 10 Jahre.
Jenseits der Glücksspielmetropolen Reno und Las Vegas hat Nevada  noch eine Anzahl von  Minen und Rinderzüchtern vorzuweisen. Unter diesen Rinderzüchtern befinden sich auch Shoshone, die ihre Viehherden auf öffentlichem Land weiden lassen, das unter Verwaltung des BLM (Büro für Landangelegenheiten) steht. Laut Bundesgesetz müssen Rancher eine Gebühr für die Benutzung öffentlichen Landes bezahlen – die Indianer verweigern diese Zahlung, da das Land ihrer Meinung nach noch immer Shoshone Territorium ist. Im August 1994 schätzte das BLM, dass die Shoshone mehr als $3,5 Millionen an Gebühren und Strafe im Rückstand sind; die Dann-Familie im Crecent Valley mit mehr als $400.000,-.

Im Brennpunkt der Anti-Shoshone-Kampagne der Regierung steht der Fall der Familie Dann in Crecent Valley.

Während andere Shoshone eher still das Bundesgesetzt verletzen, wenden sich die Geschwister Mary und Carrie Dann an die Öffentlichkeit und an internationale Medien. Das BLM möchte das Land vor Überweidung von 2000 Rindern schützen; jeder der die Ranch der Geschwister Dann besucht kann sich davon überzeugen, dass es nur eine Herde von 300 Tieren gibt.
Carrie Danns Entschlossenheit bestimmt auch den Widerstand ihrer Mitstreiter. Im April 1992, als das BLM versuchte, die Rinder der Dann-Ranch zu konfiszieren, konnte die streitbare Carrie im Getümmel zwischen den Rindern, den Cowboys die diese auf Lastwagen verfrachten sollten und Polizisten mit ihren Argumenten und ihrer Tatkraft trotz der körperlichen Attacken gegen sie, das Schlimmste verhindern. Sie erklärte dem Sheriff: „Mein Land ist nicht zu verkaufen, nicht jetzt und auch nicht zu einem späteren Zeitpunkt.“
Sheriff Jones war weniger zurückhaltend, als er im darauffolgenden November gemeinsam mit einem Convoy des BLM die Wildpferde und Pferde der Dann-Ranch im Crescent Valley entfernen sollte. Clifford Dann, der 59 Jahre alte Bruder von Carrie, blockierte mit seinem Auto die Straße zur Ranch. Als der Convoy mit Polizisten und Sheriffs ankam, stieg er auf die Ladefläche seines Wagens und überschüttete seine Arme mit Benzin. Er drohte, sich anzuzünden, falls seine Herde konfisziert wird. Als Carrie mit einer Gruppe von weißen Unterstützern ankam, begann eine heftige Diskussion. Clifford wurde von Sheriff Jones überredet von seinem Wagen zu steigen, er versicherte ihm, dass seine Tiere nicht konfisziert werden. Clifford marschierte zu den Lastwagen, um sich selbst davon zu überzeugen, in einer Hand hielt er noch immer den Benzinkanister und in der anderen die Streichhölzer. Als er dort ankam, versuchte ein BLM-Angestellter, ihm den Kanister zu entreißen. Amateur-Vedeos  zeigen, dass dabei Benzin aus dem Kanister auf Clifford und die umstehenden Polizisten spritzte. Daraufhin stürzten sich mehrer Männer auf Clifford, Sheriff Jones schrie: „Get him down! Break his fucking arm if you have to!“ (Werft ihn nieder, brecht ihm seinen Arm, wenn notwendig!)
Als Carrie ihrem Bruder zu Hilfe eilen wollte, hielt sie ein Angestellter des BLM (Büro für Landangelegenheiten) brutal fest, er bog der 58-jährigen Großmutter beide Arme nach hinten, damit sie sich nicht bewegen konnte. Als sie vor Schmerzen schrie, da sie an einer Schulterverletzung leidet, wurde sie von einem Polizisten belehrt: „Benimm dich halt wie eine nette, alte Dame und hör auf zu kämpfen“. Als aus der Unterstützergruppe sich jemand mit laufender Kamera näherte, meinte ein Polizist “ Wir halten Sie fest, damit sie sich nicht vor ein Auto wirft“.
Einige Minuten später fuhren die Lastwagen mit den Pferden weg. Clifford Dann lag mit dem Gesicht nach unten am Boden, seine Brillen zerbrochen, das Gesicht blutverschmiert, er wurde von Polizisten eilig weggebracht. 4 Monate später vor Gericht gestellt, weigerte Clifford sich zu verteidigen, mit der Begründung, dass die US-Regierung keine juristischen Rechte in Newe Sogobia, dem Land der Shoshone, hat. Clifford wurde für schuldig befunden, einen Polizisten mit Benzin bespritzt zu haben. Obwohl Clifford bisher noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, musste er 9 Monate in ein Hochsicherheitsgefängnis. Richter John McKibben verkündete: „dies ist eine Nachricht an Journalisten, Aktivisten und an die Western Shoshone.“
Chief Raymond Yowell dazu: „Die Gerichte sind in den Augen der Shoshone nur Instrumente der US-Politik. Wir benötigen indianische Richter, die indianische Rechte vertreten.“ Und hier liegt wahrscheinlich auch der wichtigste Punkt: Die Shoshone sehen sich nicht als Bürger der Vereinigten Staaten, sondern als Bürger Ihrer eigenen Nation. Chief Yowells Ansicht nach müsste internationales Recht auf diesen Streitfall angewendet werden.
Raymond Yowell steht dem „Western Shoshone National Council“ vor, welches sich selbst als ursprüngliche Regierung der Western Shoshone sieht. „Wir gehören zu dem Volk und sind dadurch die selbe juristische Person, die den Vertrag von  Ruby Valley unterschrieben hat“, meint Yowell.  Die Vereinigten Staaten bestreiten die Legitimität des National Council und arbeiten lieber mit den „tribal governments“ (Stammesregierungen) zusammen, die 1934 von den USA im Zuge des „Indian Reorganization Act“ installiert wurden. Insgesamt gibt es 9 von der Bundesregierung finanzierte tribal governments, die die ca. 2300  Shoshone vertreten sollen, welche zum Teil in städtischen Enklaven und z. T. auf weitverstreuten Ranches leben. „Die sogenannte Stammesregierung kann sich nicht als Nation bezeichnen, es sind Körperschaften der Vereinigten Staaten. Wie können diese unabhängige Nationen sein, wenn sie nur mit der Erlaubnis und dem Geld der US-Regierung handeln können“, meint Carrie Dann, die ihren Clan im Western Shoshone National Council repräsentiert.
Sie ist nicht die einzige, die die „Stammesregierung“ in Frage stellt. Quer durch alle indianischen Nationen misstrauen die traditionellen Führer den Stammesregierungen und verweigern die Mitarbeit. Die Stammesregierungen sind abhängig vom Bureau of Indian Affairs (BIA).  (Das BIA ist Teil des US-Innenministeriums). Der Innenminister hat ein Vetorecht bei Entscheidungen der Stammesregierungen. Das gesamte Land aller Indianerreservationen ist im Besitz des Innenministeriums und wird von diesem treuhändlerisch verwaltet.
Durch das National Council hingegen können alle Shoshone vertreten werden, inklusive Familien wie z. B. die Dann’s, die von der US-Regierung nicht als Western Shoshone registriert sind. Obwohl das National Council von der US-Regierung kein Geld annimmt, arbeiten aber auch Vertreter der Stammesregierung mit. Zwei Stammesregierung gehen jedoch einen eigenen Weg: Das Te-Moak tribal council definiert sich selbst als Vertretung aller Shoshone und geht sogar soweit, dies über Internet in alle Welt zu verbreiten. Der Duckwater Shoshone Tribe war dem National Council angeschlossen, entschloss sich aber in den 80er Jahren, die Lösung der Probleme alleine anzugehen. Eines der größten Probleme ist die Uneinigkeit der verschiedenen Shoshone Stämme, da bei der Lösung der Probleme alle Shoshone benötigt werden.

Das National Council verlangt Verhandlungen mit der US-Regierung auf der Basis von unabhängigen Nationen.

„Verträge werden mit Nationen geschlossen, nicht mit Stämmen“, sagte Chief Yowell. Der Verhandlungsprozess ist so alt wie das Problem selbst. Als die Indian Claims Commission kurz vor einer endgültigen Entscheidung stand, sprach der damalige Innenminister, Cecil Andrus, mit den Shoshone über eine neue, 3 Millionen acre große Reservation. Andrus brach die Gespräche 1979 ab, nachdem das Verteidigungsministerium ankündigte, mobile MX-Missiles in Nevada zu stationieren. Die MX-Raketen mit 200 nuklearen Sprengköpfen sollten mit Lastwagen über das ausgedehnte Straßennetz der Wüste transportiert werden. Die Western Shoshone protestierten. Carrie Dann sagt, dass in manchen Schulbüchern zu lesen ist, dass den Shoshone die Verhinderung der Stationierung von Atomwaffen zu verdanken ist.  Die MX-Angelegenheit hat auch für die Shoshone selbst einen Wendepunkt bedeutet, da sie einigen Shoshone die  Augen geöffnet hat.
Während der Reagan und Bush Jahre wurde zwar auch verhandelt, aber kaum etwas erreicht. Einige Shoshone waren bei Bill Cinton’s Amtsantritt optimistisch, da er den Indianern im Wahlkampf viel versprach. Hoffnung flackerte auf, als auf Betreiben des Senators Daniel Inouye der Innenminister mit der Angelegenheit beauftragt wurde. Er sandte seinen erfahrenen Mitarbeiter, Don Moon, um mit den Shoshone zu sprechen und ihre Probleme zu erfahren. Moon traf sich mit etlichen Shoshone, inklusive dem National Council und bot sich an, im Auftrag der Shoshone zu verhandeln.
„Erlangt die Regierung einen Besitzanspruch auf deinen Garten, nur weil du deinem Nachbar erlaubst, durchzugehen?“ fragte Moon in einer schriftlichen Notiz den Innenminister. Und weiter „Was hier geschah, war ein kaltblütiger Diebstahl, der niemals einem Nicht-Indianer passiert wäre“.
Moon appellierte an Innenminister Babbitt’s Idealismus, trug die Anliegen der traditionellen Shoshone vor und drängte auf Wiedergutmachung von historischen Fehlern, die die amerikanische Regierung begangen hat. Gleichzeitig las Innenminister Babbitt interne Regierungsanalysen, welche strategische Versäumnisse und Verzerrungen der Tatsachen von Regierungsseite bei der Landnahme feststellten.
Babbitt hielt im Jänner 1994 ein Informationstreffen in Denver. Teilnehmer waren u.a. Chief Raymond Yowell, Carrie Dann und Vertreter der „Stammesregierung“. Die Konferenz dauert nicht einmal 1 Stunde und jede Shoshone-Gruppe hatte je 5 Minuten Redezeit. Als das Treffen beendet war und Innenminister Babbitt davon eilte, versprach er, dass weitere Verhandlungen durch seinen Chefberater John Duffy geführt werden. Weitere Verhandlungen brachten wenig. Duffy wies mit Nachdrücklichkeit auf die Zuteilung des Geldes durch die Indian Claims Commission hin, während die Shoshone eine Entscheidung der Land- und Wasserrechte verlangen. Moon beendete seine Arbeit, ziemlich frustriert ob Mr. Duffy’s Unnachgiebigkeit und der Uneinigkeiten bei den Shoshone.
Das National Council ist bei den Verhandlungen nicht mehr involviert. „Wir beobachten zwar, aber wir sehen keinen Sinn mehr, daran teilzunehmen“, sagt Chief Yowell. „Die Regierung möchte uns das Geld so schnell wie möglich auszahlen, damit sie sagen kann, das Land wurde verkauft“.
Anwalt John Paul Kennedy aus Salt Lake City ist ebenfalls sehr daran interessiert, dass das Geld bald ausbezahlt wird. Er behauptet, 1400 ungenannte Shoshone zu vertreten und verlangt die Auszahlung des Geldes an diese Personen.  Er bezeichnet die Mitglieder des National Council als Extremisten. Einige Shoshone beschreiben Mr. Kennedy als einen Anwalt alten Stils, der auf den nicht unbedeutenden prozentuellen Anteil aus ist, der ihm vom erstrittenen Geld zusteht. Trotz des lautstarken Protests der Stammesregierungen und des National Council, wurde der Anwalt Kennedy auf Wunsch des Innenministers ebenfalls in  die Verhandlungen einbezogen.
Politiker der Bundesregierung und des Staates Nevada meinen auf Fragen zu diesem Fall nur „wir können nichts sagen, um den laufenden Prozess nicht zu beeinflussen“. Schriftliche Anfragen bleiben unbeantwortet und unbeantwortete Anrufe sind die Regel. Der einzige Hinweis auf die Regierungsmeinung stammt aus Dokumenten, die seit dem „Freedom of Information Act“ einzusehen sind, obwohl diese scheinbar noch immer hinter Steinmauern verborgen sind; Anfragen benötigen oft mehr als 1 Jahr, bis sie teilweise bearbeitet werden.
Selbst Treffen des Außenministeriums scheinen in zwielichtige Zonen zu geraten, wenn Shoshone involviert sind. Im April 1995 nahm Raymond Yowell an einer Menschenrechtskonferenz in Washington teil, veranstaltet vom Carnegie Institute und geleitet von John Shattuck, Mitarbeiter des Außenministeriums. 200 Teilnehmer aus aller Welt arbeiteten an einer Erklärung zum Thema: Konflikte in der Zeit nach dem kalten Krieg. Trotz mehrmaliger Anfragen an das Außenministerium fand sich niemand bereit zu erklären,  warum Chief Yowell eingeladen wurde.
Hat die US-Regierung Angst vor einem Aufstand wie in Mexiko, wo die Zapatisten private Ranches beschlagnahmten? „Wir haben mit privaten Ranches nichts zu tun“, sagt Yowell, „unsere schriftlichen Forderungen stellen das eindeutig klar. Wir interessieren uns nur für öffentliches, staatliches Land“. Die Shoshone wissen, dass bewaffneter Widerstand nutzlos ist. Eine handvoll Shoshone gegen die mächtigste Nation der Welt; „wenn die USA uns wegblasen wollen, haben sie die Kraft, es zu tun“.
Wenn etwas die Regierung nervös macht, ist es die Kampagne des National Council, das seine Unabhängigkeit auch international hinausposaunt. Im Dezember 1994 erhielt UN-Generalsekretär Boutros-Ghali ein Statement der Unabhängigkeitserklärung der Western Shoshone, basierend auf der UN-Charta. Kopien dieser Erklärung wurden eingeschrieben auch an offizielle Stellen, angefangen von Präsident Clinton bis zu Bezirksanwälten in Nevada, verschickt. Nur 1 Person, ein staatlicher Richter aus Kalifornien, antwortete.
1993 verfassten die Geschwister Dann gemeinsam mit einer staatlichen amerikanischen Menschenrechtsorganisation eine Beschwerde. Die Antwort der Regierung lautete: Das Land wurde verkauft und außerdem ist der Rechtsstreit bezüglich der „Indian Claims Commission“ noch nicht abgeschlossen. Deutsche und britische Fernsehanstalten haben bereits die Shoshone-Dokumentation gezeigt, mit Robert Redford als Sprecher. Das „National Council“ hat Kontakte mit europäischen Menschenrechtsgruppen und sendet regelmäßig Vertreter in die EU. Im April 1993 reiste eine Delegation des Europäischen Parlaments auf Erkundung zu den Shoshone. Weitere Besucher kamen, als Carrie und Mary Dann 1993 den alternativen Nobelpreis in Stockholm erhielten.
Am 9. Dez. 1993 lobte das schwedische Parlament in einer Rede die Geschwister Dann für ihren Mut und ihre Ausdauer, die sie im Kampf um die Landrechte der indigenen Bevölkerung bewiesen.
Offiziell spricht die Regierung von einem Konflikt mit der Dann-Familie, obwohl es in Wahrheit einen ganzen Komplex an Problemen gibt. Die Western Shoshone organisierten zahllose Anti-Atom-Demonstrationen auf dem Atomtestgebiet in Nevada, wo mehr als 900 Atomexplosionen die Shoshone in  Angst und Schrecken versetzten. Die Bomben explodieren zwar nicht mehr, aber das Energieministerium plant ein Endlager für  Atommüll in Yucca Mountain, auf dem Gebiet der Shoshone. Bei der Umweltzerstörung spielen auch die durstigen Städte Las Vegas und Reno eine große Rolle, da diese das vorhandene Wasser aus den nahegelegenen, rel. trockenen Tälern der Shoshone pumpen. Die Geysire werden ebenfalls zur Energiegewinnung angezapft, obwohl sie heilige Plätze der Shoshone darstellen. Außerdem soll der Rock Creek aufgestaut und traditionelle Versammlungsplätze der Shoshone überflutet werden und das immer anwesende US-Militär donnert mit seinen Kampfbombern durch stille Wüstentäler.
Carrie Dann sieht in diesen Fällen multinationale Konzerne als den Feind und die USA als deren Handlanger. Sie begründet dies auf ihrer Erfahrung mit den Goldminen, die nahe ihrer Ranch liegen. In diesen gigantischen, durch Tagbau entstandenen Kratern wird unter Verwendung von hochgiftigen Cyanid Gold abgebaut.
Diese Art von Goldminen waren in jüngster Vergangenheit für verheerende Umweltkatastrophen verantwortlich, über die auch in den Medien ausführlich berichtet wurde (Guayana, August 1995: ein Fluss wurde verseucht, 15.ooo Menschen sind bedroht von dem schleichenden Gift. 1993 Colorado: durch ein Leck wurden 17 Meilen des Alamosa-Flusses mit Cyanide vergiftet, die Reinigung und Entgiftung kostet dem Steuerzahler jährlich Millionen von Dollar.)
Von der Ranch der Familie Dann hat man gute Sicht auf drei riesige Goldminen, die sich über ein Gebiet von 800 acre erstrecken. Das Land von Carries Vater, das sich die Weißen angeeignet haben, liegt über einem der größten Goldvorkommen.
Das Verschwinden der lebensnotwendigen Quellen und Flüsse durch die riesigen Goldminen im Crescent Valley verursacht bei der Familie Dann große Wut auf die Regierung, die nur wenig bzw. gar nichts dagegen unternimmt. In Zukunft wird die Familie Dann mit Ihren Tieren nur mehr in vergifteten Schlammlöchern nach Wasser graben können – und alles nur, damit sich irgend ein unbekannter Fremder mit Gold schmücken kann.
Im August 1996 trat den Shoshone ein alter Feind in neuen Kleidern entgegen: Goldsucher! – jetzt allerdings „Oro Nevada Mining Company“ genannt. Diese Firma, Teil eines der größten Minen-Konzerne der Welt, möchte gerne Bohrungen direkt neben der Ranch der Familie Dann vornehmen, nachdem sie die angrenzende Ranch aufgekauft hatten.
Während der Präsident der Firma, Bob Jones, nach eigenen Aussagen nichts von Problemen mit Indianern weiß, haben andere  Repräsentanten der Firma bereits Gespräche mit den Western Shoshone geführt. Die Familie Dann hat gemeinsam mit dem National Council erklärt, dass diese Bohrungen eine Verletzung des Vertrages von Ruby Valley darstellen. Die Firma Oro Nevada lässt sich dadurch allerdings nicht von weiteren Bohrungen abhalten, sie hat bereits $ 350.000,- an die Regierung für die Bohrrechte bezahlt.
Die Testbohrungen finden in Sichtweite des Wohnhauses der Dann’s statt – und werden direkt in den heißen Quellen und dem Dewey Dann Fluss fortgesetzt. Dieser Fluss ist die wichtigste Wasserversorgung der Ranch, da er das ganze Jahr über Wasser führt. Die heißen Quellen sind die heiligen Plätze der Familie. Viele andere Geysire auf Western Shoshone Gebiet wurde bereits durch derartige Testbohrungen zerstört.
Eines Tages wird durch die Goldgier die gesamte Natur zerstört sein, die die Western Shoshone so lieben und verehren.
Mehr als 10.000 Jahre lang konnten sich die nomadisierenden Shoshone von ihrer Heimat ernähren. Ein Gebiet, von den Euro-Amerikaner als abschreckende Wüste betrachtet, von den Shoshone geliebt als wunderschönes Land mit großen Kontrasten und starken Kräften. Carrie Dann hat ihr ganzes Leben in Crescent Valley verbracht; Ihre Familie und Vorfahren sind hier, daher ist es ihr Ziel, das Land für zukünftige Generationen zu erhalten und zu beschützen.
„Wenn mich jemand nach den heiligen Plätzen fragt“, erklärt Carrie Dann, „sage ich, alles ist heilig“ und zeigt dabei mit Ihrer Hand über die ganze Landschaft. „Ich arbeite für die Zukunft, für meine Enkelkinder, damit sie auch einen Platz zum Leben haben“.

Dieser Artikel stammt von Scott Robert Ladd, einem amerikanischen Autor und wurde aus dem Native-net übernommen, übersetzt vom Arbeitskreis Indianer Nordamerikas.

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