PINE RIDGE RESERVATION – Das Volk der Oglala Sioux auf dem Weg aus der Hoffnungslosigkeit hin zu neuen Lebensentwürfen

von Cornelia Bauer

Die Lebenssituation im Pine Ridge Reservat ist durch die Arbeitslosenquote von über 80%, die schlechten Wohnverhältnisse und zahlreiche soziale Probleme, die nicht zuletzt durch die bis heute andauernde weiße Unterdrückung bedingt sind, sehr schwierig.

Trotz aller Widrigkeiten erwachen immer mehr Einzelpersonen und Großfamilien aus ihrer Depression und suchen nach Wegen diesen fremdbestimmten Kreislauf zu durchbrechen und  die Lebensbedingungen für die zukünftigen Generationen zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist Henry Red Cloud und seine Tiyospaye ( Großfamilie ).
Henry ist in fünfter Generation Nachfahre des berühmten Chief Red Cloud. Henry Red Cloud wurde im Jahr 2000 zusammen mit einer Delegation weiterer Lakota nach München eingeladen um verschiedene Landnutzungsprojekte vorzustellen. Bei diesem Anlass stellte er das „ Lone Buffalo Project „ seiner Familie vor und die Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte in München sagte zu die Anschubfinanzierung für den benötigten Zaun zu übernehmen. Da AGIM diese finanziellen Mittel nicht zur Verfügung hatte, wurde eine Losaktion veranstaltet, für die die Familie Red Cloud von ihnen gefertigtes Kunsthandwerk als Preise zur Verfügung stellte. Durch den Losverkauf und Spenden konnte ein Betrag von über 5000 € gesammelt werden.
Nach dem Henry Red Cloud alle Formalitäten mit dem BIA ( Büro für Indianerangelegenheiten ) erledigt hatte, um das Familienland aus einem Pachtvertrag mit einem weißen Farmer zu lösen, endete diese Pacht am 30.10.2002. Motiviert durch das beflügelnde Gefühl, endlich das Land selbst nutzen zu können, halfen Familienmitglieder und Freunde beim Zaunbau zusammen. Das dafür zur Verfügung gestandene Material reichte jedoch nicht aus um das gesamte Weideland vorschriftsmäßig einzuzäunen. Dadurch kam es zu einem Stopp im Zaunbau. Zur selben Zeit galt es für die Familie noch ein weiteres Problem zu lösen. Es musste eine Wasserversorgung für die Bisons, die in Zukunft auf dem Land leben sollten, geschaffen werden. Zu diesem Zeitpunkt nahm die Familie Kontakt zu einer im Reservat arbeitenden und in Fort Collins in Colorado ansässigen, gemeinnützigen Unterstützungs-gruppe, namens Village Earth auf. Village Earth veranlasste, dass Fachleute von der Universität auf das Weideland der Familie Red Cloud kamen um die, mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln, beste und auch realisierbare Möglichkeit zur Schaffung einer Wasserversorgung ausfindig zu machen.

Eine professionelle Bohrung durch eine Bohrfirma wäre das angestrebte Ziel gewesen, doch dafür reichten die Gelder nicht. So wurde mit Hilfe eines Traktors ein 28 Meter langer, 12 Meter breiter und 7 Meter tiefer Graben ausgehoben. Dieser Graben füllte sich durch geringen Zustrom von Grundwasser sowie durch Schmelz- und Regenwasser auf. Somit war das Problem der Wasservesorgung gelöst. Es wird jedoch immer noch angestrebt, zu einem späteren Zeitpunkt nach Wasser bohren zu lassen, um einen Brunnen anzulegen.
Zeitgleich  konnten, durch einen von mir über das „ Lone Buffalo Project „ geschriebenen Artikel, der im Newsletter von INCOMINDIOS veröffentlicht worden war, weitere Spendengelder gesammelt werden. Dadurch konnte das zur Fertigstellung des Zauns noch benötigte Material gekauft und die Anlegung der Wasserstelle für die Bisons finanziert werden. Village Earth sorgte vor Ort dafür, dass die Spendengelder ihren bestimmungs-gemäßen Einsatz fanden und ich jederzeit Einblick hatte wofür die Spendengelder verwendet wurden. Von nun an führte David Bartecchi, Village Earth’s Projektleiter im Reservat, ca. alle vier Wochen ein Treffen mit der Familie Red Cloud durch.
Bei den Treffen unterstützte er die Familie neue Arbeitsziele für die nächsten Wochen zu erarbeiten und die anfallenden Aufgaben auf verschiedene Familienmitglieder zu verteilen. Bei diesen Meetings entstand auch die Idee das „ Adopt a Buffalo Program „ zu schaffen. Mit Hilfe dieses Programms konnte jeder Unterstützungswillige, gegen eine Zahlung von 500 $, einen Bison adoptieren. Dies bedeutet, das der so finanzierte Bison zwar Eigentum des Geldgebers bleibt, er ihn jedoch der Familie Red Cloud zur Zucht zur Verfügung stellt und alle Nachkommen dieser Bisons in den Besitz der Familie übergehen. Durch Village Earth wurde dieses Vorhaben in der Öffentlichkeit beworben und so gelang es ihnen, zehn Bisons für das Projekt der Familie zu gewinnen. In Deutschland konnte ich durch einen weiteren Artikel im Coyoten, der Zeitung der AGIM in München, fünf weitere Bisonpatenschaften vermitteln.
Somit konnten am 23. Juni 2004, während der Einweihungszeremonie des „ Lone Buffalo Projects „ auf dem Land der Familie Red Cloud, 15 Bisons  (4 Bullen und 11 Kühe ), in ihr neues zu Hause entlassen werden. Es war ein wunderbarer Augenblick, die Tiere auf das Land rasen zu sehen und gleichzeitig in die überglücklichen und gerührten Gesichter der Familie Red Cloud zu blicken.

Ihr Traum eine Bisonzucht zu gründen und ihr Land wieder selbst zu bewirtschaften war, durch die Unterstützung der Spender und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Organisationen, wahr geworden.
In drei Jahren werden diese Bisons ihre ersten Nachfahren erhalten. Diese Jungtiere wird die Familie Red Cloud nach einem weiteren Jahr, als Geschenk, an eine andere  Familie weitergeben. Dies soll ein Zeichen des Dankes für die Unterstützung sein, die sie bei der Verwirklichung ihres Traumes erhalten haben. Auf diese Weise wird es einer weiteren Familie möglich werden ihre eigene Bisonzucht zu starten.
Das erfolgreiche Umsetzen des „ Lone Buffalo Projects „ ist nicht nur für die Familie Red Cloud von großer Bedeutung, sondern gibt vielen Bewohnern des Reservats den Mut selbst eigene Ideen zur Nutzung ihres Landes zu entwickeln. Village Earth arbeitet deshalb mit verschiedenen Tiyospayes daran ihren Landbesitz aus den Verträgen mit den weißen Pächtern zu lösen, damit sie ihr Land selbst nutzen können. Dieses Land, welches ihre Zukunft bedeutet, wird derzeit zwischen 50 Cent und 3 Dollar pro Acre und Jahr an die weißen Farmer und Rancher verpachtet. Diese Praxis ist nicht nur unakzeptabel für die verarmten Besitzer, sondern gefährdet durch die rücksichtslose Überweidung der verpachteten Gebiete auch das ökologische Gleichgewicht der Prärie. Village Earth setzt sich dafür ein diese Missstände zu korrigieren und der Ausbeutung ökonomischer und natürlicher Resourcen sowie der der Reservatsbewohner ein Ende zu setzen. Unsere finanzielle Unterstützung ist notwendig, damit Village Earth der Bevölkerung des Reservats weiter helfen kann sich zu organisieren und ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.
Neuste Umfragen, der Abteilung für Anthropologie der Colorado State University ergaben, dass 71 % der Reservatsbewohner, wenn sie finanziell dazu in der Lage wären, lieber auf ihrem eigenen Land leben würden und dies selbst bewirtschaften wollen. Die Red Cloud Familie und Village Earth arbeiten daran Modelle und Technologien zu entwickeln, die die Kosten senken können um das Land bewohnbar und bewirtschaftbar zu machen. Ein Beispiel dafür ist das „ Adopt a Buffalo Program „, durch welches es im Herbst 2004 gelungen ist, bereits einer weiteren Familie aus dem Reservat 8 Bisons zum Zuchtstart zu vermitteln. Da die Stromversorgung des Landes die Eigentümer vor die größten finanziellen Probleme stellt, sind Village Earth und Henry Red Cloud derzeit damit beschäftigt dieses Problem durch die Nutzung von Windenergie zu lösen.
Offiziellen Untersuchungen zur Folge hat die Region des Pine Ridge Reservats gute bis ausgezeichnete Bedingungen für die Erzeugung von Windenergie.
Zusammen mit seinem Freund, Bret Tsatcher, hatte Henry die Idee aus den Bremstrommeln, der auf dem Reservat zahlreich zu findenden Autowracks, Magneten und Kupferdraht, Windturbinen herzustellen. Betreut und ausgewertet wird dieses Projekt von Village Earth und der Colorado State University. Im Sebtember 2004 konnte die erste stromerzeugende Windturbine mit einer Leistung von einem Kilowatt / Stunde vorgestellt werden. Bis Ende des Jahres soll die Leistung auf 2,5 Kilowatt / Stunde gesteigert werden. Die Kosten für die Herstellung dieser Windturbinen liegen ein Vielfaches unter den Preisen gleichwertiger, auf dem Markt befindlicher, Windturbinen. Durch dieses Projekt könnten, wenn die Windturbinen in Produktion gehen, Arbeitsplätze im Reservat geschaffen werden und die Bewohner des Pine Ridge Reservats könnten kostengünstig Strom für die Nutzung ihres Landes erzeugen.
Ich finde es ermutigend zu beobachten, wie Village Earth mit den Bewohnern des Pine Ridge Reservats zusammenarbeitet und sich bemüht, ihnen bei der Umsetzung ihrer Ideen unterstützend zur Seite zu stehen. Darum bitte ich Sie, die Arbeit von Village Earth mit einer Spende zu unterstützen, damit sie die Projekte im Reservat weiterführen können. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, das viele, auch kleine Spenden, die Verwirklichung eines Traumes möglich machen können. Helfen Sie dem Volk Lakota durch ihre Spende dabei ihre Zukunftsideen verwirklichen zu können und für die Kinder des Reservats eine bessere Zukunft zu schaffen.

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